This article has been translated from English to German.

Die Ankündigung von Neuwahlen in Tokio hat die Anleihemärkte weltweit aufgemischt und den Händlern eine schmerzhafte Lektion über finanzielle Ansteckung erteilt.

Was ist heute mit Anleihen passiert?

Wenn du am Dienstagmorgen aufgewacht bist und auf deine Handelsbildschirme geschaut hast, hast du vielleicht gedacht, jemand hätte auf dem globalen Anleihemarkt den „Alles verkaufen”-Knopf gedrückt. Japanische Staatsanleihen erlebten ihren schlimmsten Tag seit Jahren, die Renditen für US-Staatsanleihen stiegen auf ein Viermonatshoch und sogar europäische Anleihen wurden von der Talfahrt erfasst. Der Grund dafür? Eine einzige Ankündigung aus Tokio, die offenbar das ausgelöst hat, was Marktbeobachter als einen klassischen Fall von finanzieller Ansteckung bezeichnen.

Hier ist der Auslöser: Am Montag hat die japanische Premierministerin Sanae Takaichi angekündigt, dass sie am Freitag das Parlament auflösen und für den 8. Februar Neuwahlen ansetzen wird. Ihr Wahlkampfthema? Steuersenkungen für Lebensmittel, um Haushalten in Not zu helfen. Klingt wählerfreundlich, oder? Es gibt nur ein Problem: Sie hat nicht erklärt, wie Japan – das bereits mit einer Schuldenquote von unglaublichen 230 % des BIP verschuldet ist – das bezahlen soll.

Anleiheinvestoren haben einen Blick auf dieses Versprechen ungedeckter Ausgaben geworfen und sind in Panik geraten. Am Dienstag schoss die Rendite japanischer 40-jähriger Staatsanleihen zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 2007 über 4 %. Tatsächlich war dies das erste Mal seit Dezember 1995, dass eine japanische Anleihe 4 % erreichte – ein 30-jähriger Meilenstein, den niemand feiern wollte. Die Rendite 10-jähriger Anleihen stieg auf 2,38 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 1999, während die Renditen 20-jähriger Anleihen um massive 22 Basispunkte (in der Finanzsprache 0,22 Prozentpunkte) auf 3,47 % sprangen.

Aber hier wird es für Devisenhändler interessant: Dies war nicht nur ein japanisches Problem. Innerhalb weniger Stunden breitete sich der Ausverkauf wie ein Lauffeuer über den Pazifik und den Atlantik aus.

Warum ist das passiert? Der Dominoeffekt erklärt

Um zu verstehen, warum die Ankündigung der Wahlen in Japan die Anleihemärkte weltweit zum Einsturz brachte, musst du drei Konzepte verstehen: die Vernetzung der Anleihemärkte, Kapitalflüsse und das, was Händler als „Ansteckungsrisiko” bezeichnen.

Lass uns zuerst darüber reden, wie Anleihen funktionieren. Wenn Investoren nervös werden, ob eine Regierung ihre Schulden zurückzahlen kann (was man in der Fachsprache als „finanzielle Nachhaltigkeit” bezeichnet), verlangen sie höhere Zinsen als Ausgleich für dieses Risiko. Anleihepreise und Renditen entwickeln sich in entgegengesetzte Richtungen – wenn also alle Anleihen verkaufen, fallen die Preise und die Renditen steigen. Stell dir das wie einen Notverkauf vor: Verzweifelte Verkäufer bedeuten Tiefstpreise.

Hier ist nun der Zusammenhang. Japan ist nicht nur ein weiteres Land, das mit Schulden zu kämpfen hat – es ist der weltweit größte ausländische Besitzer von US-Staatsanleihen mit einem Wert von etwa 1,2 Billionen Dollar. Seit Jahrzehnten kaufen japanische Investoren massiv ausländische Anleihen, vor allem amerikanische, weil ihre Renditen zu Hause wegen der extrem lockeren Geldpolitik der Bank of Japan fast bei Null liegen.

Als jedoch die japanischen Anleiherenditen zu steigen begannen – 10-jährige Anleihen bieten jetzt 2,38 %, verglichen mit fast null vor nur zwei Jahren –, änderte sich etwas Grundlegendes. Plötzlich konnten japanische Investoren zu Hause ordentliche Renditen erzielen. Warum sollte man das Währungsrisiko und den Aufwand des Kaufs von US-Staatsanleihen auf sich nehmen, wenn man in der eigenen Heimat solide Renditen erzielen kann?

Diese Veränderung scheint die globalen Anleihemärkte erschreckt zu haben. Wenn Japan, historisch gesehen einer der zuverlässigsten Käufer ausländischer Anleihen, beginnt, sein Geld im eigenen Land zu behalten (ein Prozess, der als „Rückführung” bezeichnet wird), wer wird dann die Lücke füllen? Allein die Möglichkeit einer geringeren Nachfrage aus Japan hat wahrscheinlich zum Verkaufsdruck bei US-Staatsanleihen beigetragen, deren 10-jährige Renditen auf 4,29 % gestiegen sind – den höchsten Stand seit August – und deren 30-jährige Renditen mit 4,93 % die psychologisch wichtige Schwelle von 5 % erreicht haben.

Marktstrategen stellten fest, dass die Renditen japanischer Staatsanleihen mit extrem langer Laufzeit offenbar durch eine Kombination aus strukturellen Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage und einer Neubewertung des Risikos in die Höhe getrieben wurden, da die Märkte die Aussicht auf eine expansivere Fiskalpolitik und anhaltenden Inflationsdruck verdauten.

Was bedeutet das für die Märkte? Der Währungs-Welleneffekt

Für Devisenhändler bringt dieses Chaos am Anleihemarkt ein paar wichtige Entwicklungen mit sich, die man im Auge behalten sollte.

Overlay of JPY vs. Major Currencies Chart by TradingView

Überlagerung von JPY gegenüber wichtigen WährungenGrafik von TradingView

Der japanische Yen erlebte eine volatile Sitzung, die die konkurrierenden Marktkräfte deutlich machte. Während der asiatischen Sitzung fiel der Yen zunächst, als die Renditen inländischer Anleihen stiegen – eine kontraintuitive Bewegung, die wahrscheinlich die unmittelbaren Sorgen über die Finanzlage Japans widerspiegelte, die die typische renditestützende Dynamik überwältigten. Nach der Eröffnung der Londoner Börse erholte sich die Währung jedoch deutlich und zog offenbar Kapital aus anderen Märkten an, da sich die Turbulenzen am Anleihemarkt weltweit ausbreiteten. Dieses Muster deutet darauf hin, dass die Händler die Rolle des Yen neu bewerteten: Während höhere inländische Renditen die Währung theoretisch stützen sollten, könnte die Nachfrage nach sicheren Anlagen angesichts der zunehmenden Spannungen am Markt zusätzliche Unterstützung geboten haben.

Das Zusammenspiel dieser Faktoren – steigende Renditen, finanzpolitische Sorgen und Nachfrage nach sicheren Häfen – sorgt für ein komplexes Bild für die weitere Entwicklung des Yen. Die politische Unsicherheit im Zusammenhang mit den vorgezogenen Neuwahlen sorgt für zusätzliche Volatilität, die die Währung in den kommenden Wochen weiterhin schwanken lassen könnte.

Fazit: Wichtige Erkenntnisse für Händler

Diese Episode bietet einige wertvolle Erkenntnisse für alle, die mit Währungen handeln oder die globalen Märkte verfolgen:

  • Die Märkte sind auf eine Weise miteinander verbunden, die nicht immer offensichtlich ist. Eine politische Ankündigung in Tokio kann sich innerhalb weniger Stunden auf New York und London auswirken. Das globale Finanzsystem funktioniert wie ein riesiges Netzwerk, in dem sich Spannungen an einem Knotenpunkt schnell auf andere ausbreiten können, insbesondere auf dem Anleihemarkt, wo die Renditen als Grundlage für die Preisbildung fast aller anderen Vermögenswerte dienen.
  • Kapitalflüsse sind wichtiger denn je. Japans Rolle als wichtiger Käufer ausländischer Anleihen bedeutet, dass Veränderungen im Verhalten japanischer Investoren überproportionale Auswirkungen auf die globalen Märkte haben können. Wenn der weltweit größte ausländische Gläubiger beginnt, seine Anlagestrategie zu überdenken, schenken alle aufmerksam zu.
  • Politisches Risiko ist finanzielles Risiko. Takaichis ungedeckter Vorschlag für Steuersenkungen zeigt, wie schnell politische Versprechen zu Marktturbulenzen führen können. Anleiheinvestoren neigen dazu, Regierungen zu bestrafen, die Ausgabenverpflichtungen ohne glaubwürdige Finanzierungspläne eingehen, und in unserer vernetzten Welt bleibt diese Bestrafung selten auf einen bestimmten Bereich beschränkt.
  • Beobachte die Renditedifferenzen. Der Spread zwischen japanischen und US-amerikanischen Renditen oder zwischen den Anleihemärkten zweier beliebiger Länder hilft dabei, Kapitalflussmuster zu bestimmen. Wenn sich diese Spreads verringern oder vergrößern, bewegt sich Geld, und die Währungen reagieren darauf.
  • Ansteckungseffekte sind real, selbst bei „sicheren” Anlagen. Staatsanleihen gelten als die sichersten Anlagen überhaupt, doch die Ereignisse vom Dienstag haben gezeigt, dass selbst diese Märkte raschen, korrelierten Ausverkäufen ausgesetzt sein können, wenn sich die Stimmung der Anleger ändert.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Mehrere Faktoren könnten darüber entscheiden, ob die Anspannung am Anleihemarkt weitergeht oder nachlässt:

Der Wahlkampf in Japan (bis zum 8. Februar) wird wahrscheinlich für anhaltend hohe Volatilität sorgen. Jede zusätzliche Ausgabenverpflichtung oder finanzpolitische Ankündigung könnte neue Verkäufe japanischer Staatsanleihen auslösen.

Die Veröffentlichung von US-Wirtschaftsdaten in dieser Woche, darunter der PCE-Inflationsbericht (der von der Federal Reserve bevorzugte Inflationsindikator), könnte Einfluss darauf haben, ob die Renditen von US-Staatsanleihen weiter steigen oder sich stabilisieren.

Die Reaktionen der Zentralbanken sind wichtig. Wenn die Bank of Japan Besorgnis über steigende Renditen signalisiert oder die Federal Reserve sich zur Funktionsweise des Treasury-Marktes äußert, könnte dies die Lage beruhigen oder verschärfen.

Ein altes Sprichwort aus der Finanzwelt lautet: „Wenn die USA niesen, bekommt die Welt eine Erkältung.“ Die Ereignisse vom Dienstag deuten darauf hin, dass wir diese Weisheit vielleicht aktualisieren müssen. In dem heutigen vernetzten Finanzsystem kann sich ein Niesen aus Tokio offenbar genauso schnell ausbreiten – und Devisenhändler tun gut daran, Taschentücher griffbereit zu halten.

Interessierst du dich für Fundamentalanalysen für Neulinge und wie du diese mit technischen Analysen kombinieren kannst, um hochwertige Chancen zu finden, die zu deinem Handels- und Risikomanagementstil passen? Schau dir unsere Premium-Mitgliedschaft an, um Event-Trading-Guides, kurzfristige Strategien, wöchentliche Zusammenfassungen und mehr zu erhalten!

BabyPips.com-Jahres-Premium-Mitglieder bekommen außerdem einen exklusiven Rabatt von 30 % auf das Jahresabonnement für das erste Jahr bei Tradezella – der bestbewerteten Journaling-App! (120 $ Ersparnis)! Klick hier für weitere Infos!