This article has been translated from English to German.
Wenn du schon mal von „geldpolitischer Divergenz“ im Devisenhandel gehört hast, hast du wahrscheinlich eine einfache Regel gelernt: Wenn eine Zentralbank die Zinsen erhöht, während eine andere sie unverändert lässt, wertet die Währung der Bank, die die Zinsen erhöht, in der Regel auf. Das ist einer der verlässlichsten Faktoren auf den Devisenmärkten.
Doch gerade jetzt wird diese Regel auf eine harte Probe gestellt, und das Währungspaar EUR/USD steckt mittendrin.
Der Iran-Konflikt, der vor einigen Wochen ausbrach, ließ die Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel steigen. Europa, das stark von Energieimporten abhängig ist, sieht sich nun erneut einem Inflationsdruck ausgesetzt. Die Märkte preisen plötzlich die Möglichkeit ein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) tatsächlich die Zinsen anheben könnte, während die US-Notenbank (Fed) die Zinsen unverändert lässt. Das sollte doch eigentlich eindeutig bullisch für den Euro sein, oder?
Nicht ganz.
Die Grundlagen: Das Dilemma der EZB
Die EZB startete komfortabel ins Jahr 2026. Der Einlagensatz lag bei 2,0 %, die Inflation war wieder nahe an das 2-Prozent-Ziel zurückgefallen, und die Zentralbanker beschrieben die Geldpolitik als „gut aufgestellt“. Zinserhöhungen standen bei niemandem auf dem Radar.
Dann brach Ende Februar der Iran-Konflikt aus, als US-amerikanische und israelische Streitkräfte koordinierte Angriffe starteten. Der Iran sperrte die Straße von Hormus, durch die rund 20 % des weltweiten Öls fließen, und die Rohölpreise schossen innerhalb weniger Tage auf Rekordhöhen.
Für Europa ist das ein ernstes Problem. Die Eurozone ist ein riesiger Energieimporteur. Wenn die Öl- und Gaspreise steigen, steigt die Inflation schnell an, sodass sich die EZB gezwungen sehen könnte, zu reagieren.
Vor dem Konflikt sahen die Terminmärkte die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinserhöhung im Jahr 2026 praktisch bei null. Innerhalb von zwei Wochen hatte sich das dramatisch gewendet: Swaps preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 % für zwei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte bis zum Jahresende ein, wobei die erste Erhöhung bereits bis Juli vollständig eingepreist ist.
Auf der anderen Seite scheint die Federal Reserve entschlossen zu sein, die Zinsen unverändert zu lassen.
Der Leitzins der Fed liegt derzeit bei 3,5–3,75 %. Vor dem Iran-Konflikt hatten Händler Zinssenkungen im Juni und September erwartet. Jetzt, da die Ölpreise die ohnehin schon über dem Ziel liegende US-Inflation weiter anheizen (der Verbraucherpreisindex lag im Februar bei 2,4 %), wurden diese Senkungserwartungen deutlich nach hinten verschoben. Händler rechnen nun bestenfalls mit einer Senkung, möglicherweise im Dezember.
Es zeichnet sich also eine echte geldpolitische Divergenz ab: Die EZB könnte die Zinsen anheben, während die Fed stillsteht oder sogar von ihrem Zeitplan für Zinssenkungen abrückt.
Warum das wichtig ist: Die überraschende Wendung in der Geldpolitik
Normalerweise funktioniert eine geldpolitische Divergenz so:
EZB erhöht die Zinsen → der Euro wird attraktiver → EUR/USD steigt
Fed hält die Zinsen unverändert → der Dollar wird relativ weniger attraktiv → EUR/USD steigt
Beide Faktoren sollten den EUR/USD-Kurs nach oben treiben. Doch der Euro hat tatsächlich an Wert verloren. Laut Bloomberg ist der Euro seit Beginn des Iran-Konflikts stärker gefallen als jede andere wichtige Währung und innerhalb weniger Tage von über 1,20 $ auf fast 1,15 $ gesunken.
Warum? Weil der Grund für die mögliche Zinserhöhung der EZB eine enorme Rolle spielt.
Die EZB erhöht die Zinsen nicht, weil die Wirtschaft der Eurozone boomt. Sie würde die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, die durch eine Energiekrise verursacht wird, die gleichzeitig das Wachstum in Europa bremst. Höhere Energiepreise wirken wie eine Steuer für europäische Unternehmen und Verbraucher.
Oxford Economics schätzt, dass die Inflation in der Eurozone Ende 2026 um 0,5–0,6 Prozentpunkte höher ausfallen könnte als zuvor prognostiziert, während sich das BIP-Wachstum auf bis zu 0,8 % verlangsamen könnte, sollte sich der Schock verschärfen.
Kurz gesagt: Die EZB könnte die Zinsen in einer sich abschwächenden Wirtschaft anheben. Das ist eine ganz andere Situation als eine Zinserhöhung, weil alles gut läuft.
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Wichtige Erkenntnisse für Trader
1. Der Grund für die Straffung ist entscheidend, nicht nur die Zinserhöhung selbst.
Wenn eine Zentralbank die Zinsen erhöht, um einen Wachstumsboom zu bekämpfen, ist das etwas ganz anderes, als wenn sie die Zinsen erhöht, um einen energeseitigen Schock auf der Angebotsseite zu bekämpfen. Im ersten Fall stützt eine starke Wirtschaft die Währung. Im zweiten Fall bekämpfen steigende Zinsen die Inflation, während sich die zugrunde liegende Wirtschaft verschlechtert, was die Währung weniger attraktiv macht, nicht attraktiver.
2. Die geldpolitische Divergenz ist ein Spektrum, kein Schalter.
Die EZB könnte die Zinsen anheben. Die Fed könnte sie unverändert lassen. Aber beide reagieren auf denselben externen Schock. Das Ausmaß der Divergenz und wem sie mehr hilft, hängt ganz davon ab, wie sich die Energiesituation von Woche zu Woche entwickelt.
3. Flucht in sichere Häfen kann Fundamentaldaten außer Kraft setzen – zumindest vorübergehend.
Wenn geopolitische Risiken eskalieren, stürzen sich Händler ungeachtet der Zinsunterschiede auf den US-Dollar. Der Dollar legte allgemein zu, als der Iran-Konflikt ausbrach, obwohl die Fed keine Pläne für eine Zinserhöhung hatte. Angst-Trades können Wochen oder Monate andauern.
4. Europas Energieabhängigkeit ist eine strukturelle Schwachstelle für den Devisenmarkt.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Energieschock dem Euro schadet. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine im Jahr 2022 hatte denselben Effekt. Wann immer die globalen Energiemärkte gestört sind, leidet Europa tendenziell überproportional, und der Euro spiegelt dieses Risiko wider.
5. Achte auf die Dauer, nicht nur auf die Schlagzeilen.
Wenn sich der Iran-Konflikt schnell klärt und sich der Ölpreis auf 70–80 $/Barrel normalisiert, könnte der Inflationsschock beherrschbar sein und Zinserhöhungen der EZB bleiben möglicherweise aus. Wenn sich der Konflikt über drei bis vier Monate hinzieht, wird der makroökonomische Schaden schwerwiegend. Die Dauer der Störung entscheidet darüber, ob sich der EUR/USD-Kurs letztendlich erholt.
Fazit
Die aktuelle Situation beim EUR/USD ist ein Paradebeispiel dafür, warum Devisenhandel komplexer ist als „höhere Zinsen = stärkere Währung“.
Die EZB könnte 2026 die Zinsen anheben, möglicherweise noch bevor die Fed etwas unternimmt. Wenn diese Zinserhöhungen jedoch durch eine durch den Energieschock ausgelöste Inflation getrieben sind, während sich die Wirtschaft der Eurozone verlangsamt, dürften sie den Euro kaum stützen und könnten ihm sogar schaden, wenn Händler sie als Zeichen dafür interpretieren, wie angespannt die wirtschaftliche Lage in Europa tatsächlich ist.
Behalte in Zukunft drei Dinge im Auge: wie lange der Iran-Konflikt andauert, ob sich die europäischen Energiepreise stabilisieren und welche Signale die EZB bei ihrer Sitzung am 19. März 2026 sendet. Diese Datenpunkte sagen dir weit mehr über die Richtung des EUR/USD aus als der Zinsunterschied allein.
Die Lektion für jeden Anfänger: Fundamentaldaten funktionieren, bis der Kontext alles verändert.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken. Er stellt keine Finanzberatung dar. Der Handel birgt erhebliche Risiken, und die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Recherchiere immer selbst und ziehe in Betracht, einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren.
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